André Schneider

Und der Horizont kann wie ein Kuss sein.

Mai 14, 2008 · 11 Comments

Our revels now are ended. These our actors,
As I fortold you, were all spirits, and
Are melted into air, into thin air,
And, like the baseless fabric of this vision,
The cloud-capped towers, the gorgeous palaces,
The solemn temples, the great globe itself,
Yea, all which it inherit, shall dissolve;
And, like this insubstantial pageant faded,
Leave not a rack behind. We are such stuff
As dreams are made on, and our little life
Is rounded with a sleep.
     (William Shakespeare, The Tempest)

Trotz der hinter mir liegenden 21 Stunden, die ich auf den Beinen bin, kann ich nicht schlafen. Hellwach. Dabei ist noch nicht einmal Vollmond, Kaffee trinke ich nicht, und der Tee dürfte schon seit rund 15 Jahren nicht mehr anschlagen. Twelfth Night beschäftigt mich, abgesehen davon, dass ich auch in der U-Bahn strophenweise den Text vor mich hinbrumme, auch nicht. Ein paar Passagen gefallen mir wirklich, aber alles in allem freue ich mich viel mehr auf den Puck. Dieses Jahr werde ich ihn anders spielen dürfen als 2004. Ich fühle mich der Aufgabe weit mehr gewachsen, bin mir meiner selbst bewusster geworden.
     Die Begegnungen der letzten Zeit beschäftigen mich. Einige sind so berauschend, mysteriös, intensiv und schön, dass man Bücher darüber schreiben möchte. Begegnungen mit Menschen — und mit Musik. Brian Eenie habe ich getroffen, wir werden noch diesen Monat mit den Aufnahmen für das neue Album beginnen, mein erstes seit 2005. Brian kenne ich seit fünf Jahren, ohne ihn wäre die Lover’s Space-Platte nie und nimmer entstanden. Das Konzept für das neue Album habe ich während der Reise durch Namibia entwickelt — und während der langen, langen Spaziergänge durch Cape Town.

Je weniger ich blogge, desto besser geht es mir. (Was für eine Erkenntnis nach über 700 Beiträgen in fast zwei Jahren. Und ich bin nicht der erste Blogger, der das merkt.) Ich bin mehr “bei mir”, schaffe mehr und habe mehr Spass an der Arbeit. Zwar fehlt mir oft die Konversation mit Euch, aber das Bloggen selber…? Es wurde auch oft zu privat. Ich hatte mir ja geschworen: “Persönlich, aber nie privat! Wirf den Aasgeiern da draussen nicht mehr zu Füssen als nötig.”
     Tja, und dann dieses Ding am 1. April. In meiner Verzweiflung ging ich dann doch online damit. Keine Ahnung, ob es ein Fehler war oder nicht — jedenfalls denke ich jetzt, ich hätte das Ganze ausführlicher und in Buchform aufarbeiten sollen. Eine Lektion in Heuchelei und Verrat. Die komödiantische Dimension dieser Missbrauchs-Geschichte wurde mir (leider) erst viel später bewusst, als ich mit Freunden darüber sprach und mich meiner geistigen Gesundheit vergewisserte. (Eine Zeitlang glaubte ich echt, ich sei bescheuert, so abstrus war das Ganze.) In Zukunft wird über Gefühlsangelegenheiten hier nicht mehr geschrieben werden. Vielleicht sollte ich mich vollends auf Filmberichte verlegen — doch leider werden die ja gar nicht gelesen.
     Flickr.com löschte ohne Ankündigung eines meiner Fotoalben, die mit diesem Blog verknüpft sind. Das heisst, dass jetzt ca. 150 Fotos auf diesem Blog einfach unwiderruflich fort sind. Es würde lange dauern, sie erneut im Netz zu suchen, sie hochzuladen und so weiter. Die Fotos waren eigentlich immer ein sehr wichtiger und schöner Bestandteil dieses Blogs. Dass jetzt ein Drittel der Bilder verschwunden sind, ärgert mich doch sehr und bestätigt mich in meinem Vorhaben, die Bloggerei für eine Weile Bloggerei sein zu lassen.
     Die Arbeit belegt mich noch bis Ende des Jahres mit Beschlag, und endlich-endlich spüre ich auch Bewegung. Die Deed Poll-DVD hatte in den USA einen verhältnismässig erfolgreichen Start, die DVDs von Der Mann im Keller sind fertig — Premiere ist im Juni –, das neue Buch wird im Spätsommer u. a. bei Amazon erhältlich sein, die Theaterarbeit läuft ohne grössere Komplikationen (schlechtes Zeichen?), ich fange eine neue CD an — die persönlichste und vermutlich düsterste bisher –, und für den Spätherbst ist auch noch ein neuer Film geplant (wenn ich Stefan und diverse andere Freunde zur Mitarbeit bewegen kann).
     Ich arbeite, also bin ich. Mein altes Fluchtmuster. (Okay, andere saufen oder koksen oder ficken sich das Hirn weg.) Wenigstens ist mir das diesmal bewusst. Aber wenn ich diese Möglichkeit nicht hätte, wäre ich vermutlich längst nicht mehr am Leben. Klingt dramatisch, ist aber wahr. — Und ich bin nicht gerutscht, sondern habe klar meine Entscheidungen getroffen.

London, ja — vielleicht doch mein Zuhause? Seit nunmehr 17 Jahren fühle ich mich als Entwurzelter doch sehr aufgehoben hier. Obwohl Berlin gerade jetzt wieder so grün und frisch und verrückt ist, dass man sich kaum eine lebenswertere Stadt vorstellen kann. Warum nur fühle ich mich so dazwischen? Immer schon war das so, dass ich da sein wollte, wenn ich hier bin und umgekehrt.

O, she that hath a heart of that fine frame
To pay this debt of love but to a brother,
How will she love when the rich golden shaft
Hath kill’d the flock of all affections else
That live in her; when liver, brain, and heart,
These sovereign thrones, are all supplied, and fill’d–
Her sweet perfections — with one self king!
Away before me to sweet beds of flow’rs;
Love-thoughts lie rich when canopied with bow’rs.
     (William Shakespeare, Twelfth Night)

Zum heutigen Tagesabschluss wollte ich Euch noch ein wenig Teenie-Erotik bieten:

Musik zur Zeit: Annette Berr, Boris Steinberg, Janet Jackson, Gérald De Palmas und Erika Pluhar. Gelesen? Kaum. Kino? Nein.
     In knapp vier Stunden rattert D.s Wecker. Ein Geräusch, das ich niemandem um diese Zeit wünsche. Dennoch ist es dieser Rastlosigkeit zu verdanken, dass ich mich lebendig fühle.

A BODY WITHOUT A SPIRIT IS A CORPSE AND A SPIRIT WITHOUT A BODY IS A GHOST.
(Abraham Joshua Heschel)

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Blubbernd taucht Monsieur auf

Mai 7, 2008 · 21 Comments

Die Zimmersuche hab ich inzwischen aufgegeben, komme sowieso kaum noch aus dem Theater raus. Meine Nächte verbringe ich bei D. auf dem Sofa. Immerhin hat er eine Badewanne, und wenn ich völlig abgekämpft — ich stehe morgens um 5:30 Uhr auf und bin meist bis 22 Uhr (oder länger) unterwegs — im lauwarmen (der Boiler ist kaputt) Wasser dümple, bekomme ich den Tee ins Bad gebracht. Ich kann also froh verkünden, dass nicht alles schlecht ist. (Dafür mache ich morgens Frühstück, was nicht immer Spass macht, da D. auf sein Omelette besteht.)
     Die zweite gute Nachricht lautet, dass ich einige Kilo weniger habe und weniger abgeranzt aussehe, ja, frühmorgens fühle ich mich manchmal sogar wieder ein wenig sexy. Hätte ich vor vier Wochen nicht einmal im Traum dran gedacht. Merke: Liebeskummer plus Arbeit minus Essen ist die beste Diät, und abgesehen vom Herzen tut’s auch gar nicht weh.
     Meine Tätigkeit hier ist beklagenswert rekreativ und mechanisch, ziemlich zeitintensiv und anstrengend. Das Spiel der Erstbesetzung muss kopiert werden, eine eigene Interpretation ist verboten. Und so sitzt man da, guckt sich an, was Regie und Erstbesetzung kreiert haben und hat dann am Ende des Tages zwei, drei kurze Durchläufe, um’s zu duplizieren. Immerhin lernt sich der Text auf diese Weise fast von selbst. (Twelfth Night ist übrigens eines der weniger guten Stücke von Shakespeare, wie ich finde, aber das nur nebenbei.)
     Am meisten Spass machen die Anweisungen von Jane, die die Bewegungsabläufe auf der Bühne koordiniert. Sie ist drahtig, flink wie ein Frettchen und benutzt drollige Ausdrücke, die ich, der Ausländer, oft nur verstehe bzw. deren Bedeutung ich erahne, wenn ich meine Phantasie bemühe. Ansonsten spürt man inzwischen schon eine starke Anspannung und Gereiztheit. Wir (okay, okay, nicht ich, sondern die Erstbesetzung) haben in vier Wochen Premiere, und der Druck wächst dementsprechend. Erfahrungsgemäss ebbt dieses Beklemmungs-Gefühl noch einmal ab, um dann in der Premierenwoche noch einmal richtig aufzulodern, und das ist dann meist mit kleineren und grösseren Krächen verbunden. (Mit Schauspielern ist es ja ähnlich wie mit Schwulen: Einzeln kann man sie ganz gut ertragen, aber wenn mehrere aufeinander treffen, wird’s rasch anstrengend und dann meist auch unerträglich.) Da ich zu den unwichtigen Personen hier gehöre, habe ich den Luxus, mich aus Spannungen weitestgehend raushalten zu können. Dennoch schnürt’s mir ein wenig den Bauch zu, wenn ich an meine Vorstellungen denke. (Fünf sind mir jetzt bereits garantiert prophezeit worden.)
     Man spürt den Frühling überall, aber die Energie hier ist arbeitsbedingt doch ziemlich weit unten. Für mich jedoch ist’s hier besser als in Berlin. In meiner Wohnung halte ich es noch nicht besonders gut aus, die ganze Negativität verfolgt mich dort auf Schritt und Tritt — und das, obwohl Hamburg drei Autostunden von Berlin entfernt liegt. Ein verdammt ekelhaftes Gefühl, wenn man sich in den eigenen vier Wänden bedroht fühlt von den bösen Geistern, denen man seinerzeit auch noch selbst lächelnd alle Türen geöffnet hat.
     Drei Filme, die ich Euch noch ans Herz legen möchte, bevor ich wieder abtauche: Cashback (Regie: Sean Ellis), Le scaphandre et le papillon (Regie: Julian Schnabel) und Nackt für Satan (Regie: Luigi Batzella), der mich vom Titel her zwar an die kürzlich beendete letzte Beziehung Affäre emotionale Flachwichserei erinnerte, thematisch aber ganz andere Töne anschlägt: Satan hockt in feinem italienischen Anzug auf einem Thron und wacht rot und grün angestrahlt über gar frivole Orgien. Das wird zwar nach ca. einer Stunde etwas redundant und langweilig, hat aber in ästhetischer Hinsicht fast diesen naiv-liebenswerten Mario-Bava-Trash-Charakter.

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Bis bald auf diesem Kanal

April 30, 2008 · 21 Comments

“Wenn ich nur nicht Theater spielen müsste…!” (Marisa Mell zu ihrer besten Freundin)
     Vom Flughafen quasi direkt weiter zur Probe, kaum Zeit gehabt, die Wäsche zu waschen und mit Chelito zu schmusen. Aber ich ”wollte” es ja nicht anders.
     Nun bin ich also in London und muss bis Mitte August Theater spielen. Als Zweitbesetzung, also wird mein Stundenplan nach der Premiere wenigstens nicht allzu voll sein. Aber die Probenzeit wird bzw. ist hart! Wie schon beim letzten Mal sprang ich in letzter Sekunde in die Bresche, und so bin ich jetzt permanent in Zeitnot. Gleich für zwei Stücke bin ich eingeteilt, also lerne ich, wie man sich Shakespeare im Express-Verfahren aneignet. Nebenbei muss ich noch eine (erschwingliche) Bleibe in Theaternähe auftun, ich bin nämlich nicht willens, jeden Morgen über zwei Stunden öffentlich unterwegs zu sein.
     Ob und wie ich das mit der Bloggerei in den kommenden Wochen hinkriegen werde, weiss ich nicht, ich bitte um Nachsicht. (Da dieser Blog besucher- und kommentartechnisch ohnehin langsam, so doch stetig stirbt, fällt es vermutlich sowieso nicht sooo auf…) Wann immer ich frei habe, werde ich versuchen, nach Berlin zu kommen, um dort ein wenig “Normalität” zu tanken. Ich “schulde” Euch ja auch noch den Reisebericht. Vergessen werd ich’s nicht, versprochen, aber seit dem 24. April weiss ich nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Bis bald also, bleibt mir treu und geniesst den Frühling. (Ich genoss ihn scheinbar zu sehr — und hab die Sonne überschätzt. Bin immer noch leicht erkältet. Man möchte würgen.)

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“I wanted to look up to you. I really trusted you and every word you said…”

April 26, 2008 · 4 Comments

(Love is what the word was)

I saw a picture
How could you be so careless
How could you have done that to us
And I write this letter
I send it all back to you
And every word you said

In there every word, oh oh oh oh
How could you have done that to us

You treated me like a stranger
And all the time I was loving you
All your slick moves
They were once innocent moves
I wanted to look up to you
I really trusted you
And every word you said

(Love is what the word was)

I was loving you like a child
All the time you were smiling
The same smile
I was loving you like a child
I really trusted you

Every word you said
Every word you said
(Love is what the word was)

Every word you said
Every word you said
(Love is what the word was)
(Love is what the word was)

Every word you said
Every word you said

Every word you said
Every word you said
(Love is what the word was)
I send it back to you, yeah
(Love is what the word was)

Every word you said
Every word you said
(Love is what the word was)
I send it all back to you, yeah
(Love is what the word was)

(Sade Adu)

…and here’s another one from the divine Miss Adu, a song that I’ve mentioned before, but it still (or again) reflects much of what I’m going through right now:

“If someone has to lose, I don’t want to play…” – exactly!
     The past few weeks in Namibia and Cape Town were rather therapeutic but not at all relaxing or even happy. But I did fall in love with Namibia, it’s simply overwhelmingly beautiful. (Especially the little town of Swakopmund at the coast: roaring waves from the Atlantic, the Namib desert behind the town’s borders, the old German houses.) Cape Town is a flamboyant, vivid city beyond compare that I’d recommend to anyone with a sense for beauty and cuture. But you have to have some time on your hands; ten days do not suffice to enjoy the city, a stay of two weeks minimum would be far more convenient.
     Please give me some time to fix my holiday report. I’m pretty busy again already so… be patient. Love & Light!

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Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal schreiben würde, aber…

April 25, 2008 · 7 Comments

…das neue Janet-Jackson-Album Discipline ist so was von geil, dass man’s kaum glauben mag. Und es ist ausserdem auch noch gut, brillant produziert! (Könnte das werden, was Ray of Light für Madonna war.) Janet ist besser bei Stimme als früher, Favorite X beweist das eindrucksvoll. Aber vor allem sind’s Feedback und Luv, die das Album zu einem must-buy machen. (Ich erstand die Platte in Kapstadt.)
     Pluspunkt ausserdem: Man kann phantastisch zu dieser CD ficken! Den Kauf empfehle ich uneingeschränkt — und den besser heute als morgen. Der Frühling kann kommen.

Light skin, dark skin, my asian persuasion
I Got them all that’s why these girls out here hatin
Cause I’m sexy

Do you like my style
Yeah that sexy, sexy, sexy
Like I rock it down
Yeah that sexy, sexy, sexy
You can work me out
Yeah that sexy, sexy, sexy
Let me show you how
Yeah that sexy, sexy, sexy

So here’s my demonstration, a peep show
Tonight my body’s and exhibition baby
Though it’s on display don’t be scared to
Touch It It said so, so come and get it babe

Strum me like a guitar blow out my amplifier
When you hear some feedback keep going take it higher
Crank it up give it to me come on
Crank it up give it to me come on
I’m gonna feedback, feedback, oh
Feedback, feedback, oh
Crank it up give it to me come on
Crank it up give it to me come on
I’m gonna feedback, feedback, oh
Feedback, feedback, oh

Light skin, dark skin, my asian, persuasion
I Got them all that’s why these girls out here hatin’
Cause I’m sexy

Do you like my style
Yeah that sexy, sexy, sexy
Like I rock it down
Yeah that sexy, sexy, sexy
You can work me out
Yeah that sexy, sexy, sexy
Let me show you how
Yeah that sexy, sexy, sexy

Before we go any more further
Let me put you up on this secret babe
I got novelties so appeasing
Feed my fetish please, satisfy me babe

Strum me like a guitar blow out my amplifier
When you hear some feedback keep going take it higher
Crank it up give it to me come on
Crank it up give it to me come on
I’m gonna feedback, feedback, oh
Feedback, feedback, oh
Crank it up give it to me come on
Crank it up give it to me come on
I’m gonna feedback, feedback, oh
Feedback, feedback, oh

You like it how I work my spine
Got you feeling all hypnotized (hypnotized)
I gotta body like a CL5
Make a **** wanna test drive but I’m so on fire
Flyer than a pelican find another
Chick better than I don’t see her
Cause my swag is serious
Something heavy like a first day period

Strum me like a guitar blow out my amplifier
When you hear some feedback keep going take it higher
Crank it up give it to me come on
Crank it up give it to me come on
I’m gonna feedback, feedback, oh
Feedback, feedback, oh

Strum me like a guitar blow out my amplifier
When you hear some feedback keep going take it higher
Crank it up give it to me come on
Crank it up give it to me come on
I’m gonna feedback, feedback, oh
Feedback, feedback, oh
Crank it up give it to me come on
Crank it up give it to me come on
I’m gonna feedback, feedback, oh
Feedback, feedback, oh

→ 7 CommentsCategories: Gedanken · YouTube

Chris Evans

April 25, 2008 · 9 Comments

Ich habe, ganz ehrlich gesagt, keine grosse Lust, viel dazu zu schreiben, bin selbst etwas erstaunt über meinen momentanen Geschmack. Ich lasse einfach mal die Bilder für sich sprechen:

Chris Evans

Chris mit Jacke

In diesem Fall bin ich übrigens gewillt, mich Euch zu teilen. Wer will?

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“Deed Poll” available in the U.S. & Canada

April 23, 2008 · 3 Comments

Finally! After four years it finally happened!
     The Video Search of Miami Cult Movie Video Club now offers Deed Poll on DVD. They charge only $20 per copy. For mail orders, send money orders to: Video Search of Miami, P.O. box 492768, Lawrenceville, GA 30049, USA.
     I’m very happy to pass on these news. Oh, by the way, you can also order through Lostsilver. (Thank you ever so much, Jason!)

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Der letzte Abend. Brainstorming. (700. Beitrag)

April 22, 2008 · 10 Comments

Kapstadt — oder Mother Town, wie die Einheimischen es nennen, weil es die älteste Stadt Südafrikas ist — hatte heute wieder einen seiner sehr beliebten Stromausfälle. Die kommen im Schnitt wohl alle zehn bis 14 Tage vor, dauern zwei bis drei Stunden und haben unterschiedliche Ursachen. Meist stellt die Stadt den Strom unangekündigt in dem einen oder anderen Bezirk ab, weil irgendwelche Leitungen überprüft oder überholt oder ausgewechselt werden müssen. Die Auswirkungen sind nicht unbedingt lustig, z. B. für das Ehepaar, das heute in unserem Hotel fast drei Stunden im Lift ausharren musste. Die Geschäfte konnten quasi dicht machen, weil ohne Strom ja auch die Kassen nicht einsatzfähig sind, und was auf den Strassen los war, war leider überhaupt nicht komisch. Berufsverkehr in einer Millionenstadt, keine Ampeln und kaum ausreichend Verkehrspolizisten. Ich durfte erstmals die 13 Stockwerke zu meinem Zimmer per pedes erklimmen. Das hatte ich mir auch erotischer vorgestellt. Fix und fertig kam ich oben an, und ich bin Nichtraucher! Klimaanlage wär auch willkommen gewesen. (Die ratterte gut zwei Stunden später lustvoll los, als ich gerade im Tiefschlaf auf meinem Bett die Dämmerung ersehnte.)
     Morgen um 13:30 Uhr steht der Bus vorm Ritz — und ab geht’s zum Flughafen. Cape Town — Windhoek — Frankfurt. Der letzte Abend also. Letzten Endes ging es doch sehr rasch vorbei.
     Gegen 17 Uhr — der Lift funktionierte wieder — entschloss ich mich, noch einmal den langen Spaziergang die Küste entlang zu machen. Die Promenade, die direkt zur Waterfront führt. Bei klarem Wetter kann man bis nach Robben Island schauen. Die grossen Schiffe, die majestätisch durch die Bucht ziehen, sehen im Sonnenuntergang wie gemalt aus. Der Himmel spannt sich kaleidoskopisch orange, violett, tiefrot, hellblau und golden über den Atlantik, und die Wellen rollen laut rauschend auf die Küste zu, sehr zur Freude der Kanufahrer und Surfer, deren Mut man angesichts der schroffen Klippen, der eiskalten Wassertemperaturen und starken Unterströmungen man nur bewundern kann. (Seit ich im Aquarium gesehen habe, was sich so im Kelp Forest vor der Küste an Getier tummelt, ist mir die Badelust übrigens gehörig vergangen.)
     Die vergangenen Tage ging ich viel hier spazieren, das heisst: ich schlenderte. Stundenlang. Es flossen viele Tränen an dieser Küste. Aber ich erlebte auch Schönheit und fasste wichtige Entschlüsse während meiner Meditationsausflüge. Ein ausgewogenes Programm. Einmal, am Freitag, fuhr ich mit dem Bus nach draussen zum Strand und lieh mir ein Pferd – einen Schimmel –, um zum ersten Mal in meinem Leben frühmorgens an einem Sandstrand entlang zu reiten. (Wenn das Pferd den Trab beherrscht hätte und nicht wie wild los galoppiert wär, hätte das ein richtig tolles Erlebnis werden können.) Was für eine enorme Wirkung das Meer auf mich hat (und immer schon hatte); es wühlt mich auf — und beruhigt mich zugleich. Ich kann die Augen schliessen und ihm einfach zuhören, mich hingeben. Es scheint seine eigene Sprache zu haben, eine Form von Musik: gleichmässig rauschend, kraftvoll krachend, gurgelnd und, ja, kichernd. Diese Ruhe und dabei diese ungeheure Gewalt, die sich durch nichts und niemanden zähmen lässt, das erzeugte bei mir schon früh eine tiefe Ehrfurcht.
     Wie üblich war die Promenade belebt, als ich mich heute auf den Weg machte. Die Jogger, die Leute mit ihren Hunden, die Touristen, die Surfer — und das Meer, das Akteur und Bühne zugleich war. Tosend zerschellten die grossen Brecher an der Mauer, schäumend spritzte die Gischt meterhoch über die Brüstung, dann rauschte das Wasser in kleinen Bächlein zurück, und die Steine, die von ihm bewegt wurden, klangen wie Rasseln. Ich lauschte ganz bewusst, nahm die Musik des Meeres auf wie ein Schwamm, und auch die visuellen Schönheiten dieses Abends wollte ich voll konzentriert und klar in mich aufnehmen. Oft hielt ich inne, blickte hinaus, blickte hinab, wanderte ganz nah an der Brüstung entlang, liess die Gischt hinter, vor und über mir aufs Land klatschen und war ganz und gar bei mir. Ich fühlte mich eins mit mir und den sinnlichen Eindrücken um mich herum. (Kann man von einem sexuellen Erlebnis sprechen?) Wie üblich kam der salzige Wind frisch und kräftig über die See gefegt, die Spazierenden kühl ummantelnd, liebkosend. Und dann…
     …sah ich die beiden, die ich seit meiner Ankunft hier gesucht zu haben schien.
     Er sass auf der Brüstung, die Beine gespreizt, in einer unvermutet femininen Pose. Sie stand vor ihm, wie normalerweise der Mann vor der Frau steht — zumindest würde man das in einem Film oder auf einer Postkarte so darstellen –, ihre Hüften zwischen seinen Knien, ihre Arme um ihn geschlungen, ihn haltend, ihren Kopf zwischen seinem Kinn und der Brust liegen habend. Behutsam, als wär sie zerbrechlich, strich er über ihre Wange und durch ihr Haar, und sie redete mit ihm, sie redete langsam, die Worte weich auskostend, in diesem niedlichen Englisch, das man hier unten spricht. Die beiden waren von einer so unsagbaren Schönheit, ich hätte sie malen wollen. Ich verharrte, konnte den Blick nicht abwenden.
     Ihre Haut war so dunkel und delikat wie ein frisch poliertes antikes Möbelstück aus Ebenholz, und man konnte sehen, wie weich sie war. Der langsame, fast behäbige Tanz ihrer Hände, die einander liebkosten, fesselte mich. Ein salziger Geruch in der Luft, ein kurzes Auflachen, ein Kuss auf die Nasenspitze.
     Im Vorbeigehen lächelte ich die beiden an, und sie strahlten zurück.

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Up & Away

April 8, 2008 · 15 Comments

Aerial

Gleich breche ich auf. Berlin — Hölldesheim — Frankfurt — Windhoek. Um kurz nach 22 Uhr hebt das Flugzeug ab, morgen früh gegen acht werde ich in der Hauptstadt Namibias landen.
     Chelito kommt zu meinen Eltern. Ein wenig graut mir davor. Mühsam habe ich ihm die Bettelei abgewöhnt, und ich weiss genau, dass ich ihn verwöhnt und vermutlich auch übergewichtig wieder abholen werde, weil meine Mutter es sich nicht verbieten lässt, die Hunde am Tisch zu füttern. Da gibt es dann auch schon mal Marmeladen- oder Nutellabrötchen und gewürztes Fleisch. Man möchte sie schütteln, aber mit 57 Jahren bringt wohl auch das nicht mehr viel. Chelito jedenfalls war die vergangenen Tage sehr merkwürdig: noch schmusiger und anhänglicher als ohnehin schon, furchtbar lieb, ruhig und immer an meiner Seite. Ihr könnt mir sagen, was Ihr wollt: Tiere haben ein Gespür dafür, wenn etwas “nicht stimmt” mit ihrem Menschen. Ich vermisse ihn jetzt schon.
     Gestern führte ich ein sehr schlimmes und ein sehr gutes Gespräch. Tanja war der erste Mensch seit Beginn der Höllenwochen, die wirklich gut reflektierte und mir im Gespräch so viel Kraft und Glauben zurück gab, dass ich nun mit einem etwas besseren beruhigteren Gefühl in den Urlaub aufbrechen kann. Wir sprachen u. a. auch über die Frage des Timings bei Trennungen, und es ist wahr: mit 28, 29, 30, 31 hat man eigentlich ein besseres Gespür dafür, wann ein “guter” Zeitpunkt für ein Gespräch ist. (Gut, ein Gespräch fand in meinem Fall nicht statt, es wurde die Form der SMS bzw. der E-mail gewählt, damit mein Liebling sich mit mir nicht auseinandersetzen musste und alles bequem und ohne Widerstand beenden konnte.) Jemandem zwei Stunden vor einem Auftritt oder ein paar Tage vor einem lange geplanten und ersehnten Urlaub — in meinem Falle waren es immerhin 15 Jahre — die Trennung zu geben, ist doppelt rücksichtslos. Klar, es gibt Dinge — Trennungen, Entlassungen, Autounfälle, Krankheiten etc. –, für die es keinen “richtigen” Zeitpunkt gibt. Dennoch hat man die Möglichkeit, unter den Myriaden von falschen Momenten den am wenigsten falschen zu wählen. Wieso jemandem den Urlaub kaputt machen? Warum die Konzentration vor einer wichtigen Prüfung rauben? Weshalb vor einer Beerdigung noch zusätzlichen Schmerz verursachen?
     Furchtbar auch, was auf einen zukommt, wenn man den ersten Trennungsschock halbwegs überwunden hat: die Rekonvaleszenz-Phase. Die dauert! Je nach dem, wie stark das Vertrauen missbraucht wurde — in meinem Falle war das schon der Oberhammer! –, braucht man eine grotesk lange Zeit, um sich selbst wieder vertrauen zu können, das heisst: seinem Gespür für andere Menschen wieder vertrauen zu können. Da können schon ein, zwei Jahre ins Land ziehen. Tja, das liebe Selbstvertrauen… — ohne geht es leider nicht! Von dem Vertrauen einem anderen Menschen gegenüber möchte ich gar nicht sprechen. Wenn das einmal in den Boden gestampft wurde, braucht es viel guten Dünger, Wasser und Sonnenschein, damit es ganz allmählich wieder knospen kann. Das ist ein Schiss in die Hand, sag ich Euch! Mein Selbstvertrauen und das Grundvertrauen in andere sind jedenfalls vorerst im Nirvana und machen dort Urlaub.

Die Probleme verschwinden nicht, wenn man in den Süden fliegt. Sie werden gegebenenfalls nur wärmer. In Namibia allerdings ist jetzt Herbst.
     Wir lesen uns wieder im Mai. Bis dahin alles nur erdenklich Schöne und Gute.

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Das Haus der Schatten

April 7, 2008 · 3 Comments

Das Filmposter von 1971

A lonely woman in a decaying mansion…
    
Ihr Glück dauerte nur fünf Monate. Dann erlitt die junge Maura Prince einen Schlaganfall. Der Mann, den sie liebte und der sie heiraten wollte, verliess sie daraufhin, und sie wurde von ihrer (Adoptiv-)Mutter gesund gepflegt. Zwanzig Jahre später leistet sie dafür immer noch Abbitte. Inzwischen weit über 40, pflegt sie die garstige, blinde Frau aufopferungsvoll und demütig. Auf ein eigenes Leben hat sie seit ihrer Krankheit verzichtet. Die beiden Frauen leben in einem riesigen Haus, das nach und nach “vor die Hunde” geht, weil sich niemand um die Instandhaltung des Anwesens kümmert.

A young stranger on a big, black bike.
     Eines regennassen Tages tritt der blutjunge Billy Jarvis in das Leben von Maura und ihrer Mutter. Sein mächtiges, altes Motorrad hält auf dem pompösen, verwilderten Anwesen. Er bittet die alte Mrs. Prince um einen Job: Unterkunft und Verpflegung für Gartenarbeit und Instandsetzung des Hauses. Mrs. Prince, die sehr wohl merkt, dass ihre Tochter den jungen Mann nicht sonderlich mag, nimmt den Fremden bei sich auf — vor allem aus Bosheit, um Maura zu piesacken.
     Billy ist ein merkwürdig verschlossener, trauriger Mensch, der nicht gerne unter Menschen ist: “Wenn ich mit in die Kirche komme, passiert was, das weiss ich.” — Schon bald erfährt der Zuschauer, dass er ein gesuchter Sexualmörder ist, der Frauen in ihren Schlafzimmern auflauert, sie missbraucht, tötet und auf Autobahnbaustellen vergräbt, die am nächsten Tag asphaltiert werden. Und rasch entwickelt Maura eine tiefe Zuneigung zu dem Mann, der ihr Sohn sein könnte. Obwohl sie ahnt, dass ihr Angebeteter schwer gestört und gefährlich ist, lässt sie sich auf diese Liebe ein — und wächst über sich hinaus…

Als ich The Night Digger (Regie: Alastair Reid) als Teenager zum ersten Mal sah, fand ich das Werk ausgesprochen bizarr. Damals kannte ich Roald Dahl noch nicht oder zumindest nicht bewusst. Die schrägen Kameraeinstellungen, die zum Teil merkwürdig unpassenden Bildausschnitte, die an Hitchcock-Klassiker erinnernde, aufwühlende Musik Bernard Herrmanns, die für 1971 sehr gewagte Darstellung von Sexualität und Gewalt und vor allem diese schwer verdauliche Liebesgeschichte waren ein wenig zu viel für mich, was meiner Faszination für diesen Film keinen Abbruch tat.

Nicholas Clay und Patricia Neal

Das Grundmotiv von The Night Digger erinnert stark an Night Must Fall (Regie: Karel Reisz), wo ein “netter” Geisteskranker (ein genialer Albert Finney!) sich in einem Dreimäderlhaus einnistet. Auch hier lässt sich eine alte Frau (Mona Washbourne) auf ein perverses Spiel mit der Angst ein, als sie bemerkt, dass mit dem jungen Mann was nicht stimmt.
     The Night Digger aber bietet mehr und greift tiefer. Der Thriller wird in der zweiten Hälfte mehr und mehr zum Drama. Die verliebte Maura glaubt, Billy mit ihrer Liebe “heilen” zu können. Auf seinem Motorrad brennen die beiden nach Schottland durch. Eine Zeitlang ist alles sehr schön. Billy möbelt ein altes Landhaus auf, das Paar macht Spaziergänge am Strand und züchtet Schafe. Doch der schwer traumatisierte Billy — in Rückblenden, die an die düsteren Erzählungen Poes erinnern, erfahren wir, dass dieser als Junge von mehreren Frauen sexuell missbraucht wurde und im späteren Verlauf seines Lebnes noch einiges an Erniedrigungen einstecken musste — kann seinen Dämonen nicht dauerhaft entkommen. Es kommt zur Tragödie. Alastair Reid und Drehbuchautor Dahl wagten sich mit dieser Thematik seinerzeit weit aus dem Fenster. Zu weit vielleicht, denn The Night Digger war bei seiner Uraufführung ein Reinfall. Die Kritiker mochten ihn nicht, das Publikum noch weniger. Heute gibt es ein paar wohlwollendere Besprechungen, aber eine Veröffentlichung auf DVD wird es wohl noch lange nicht geben. (In seinem blutigen Schocker Dust Devil (1992) griff der englische Regisseur Richard Stanley diesen Faden auf: Ein Serienmörder wird durch die Liebe und eine erfüllte Sexualität von seinem unglückseligen Trieb erlöst.)

Dahls faszinierendes Skript hat mit der Novelle Nest in a Falling Tree, auf dem das Ganze basiert, nur noch oberflächlich zu tun. In Joy Cowleys Roman sind die Charaktere von Maura und ihrer bösartigen Mutter bei weitem nicht so interessant ausgearbeitet. Nun, erklärbar wird das vielleicht, wenn man weiss, dass Roald Dahl zu jener Zeit der Ehemann der grossartigen Hauptdarstellerin Patricia Neal war, die 1965 während einer Schwangerschaft mehrere Schlaganfälle erlitten, 21 Tage im Koma gelegen und wie durch ein Wunder nicht nur überlebt, sondern auch noch einer gesunden Tochter das Leben geschenkt hatte. Für diesen, ihren zweiten Film nach der langwierigen Genesung, wollte er ihr eine Rolle auf den Leib schneidern, die das Thema Schlaganfall beinhaltet, und Neal dankte es ihm mit einer der besten Darstellungen ihrer Laufbahn. (Für die, die Patricia Neal nicht kennen, empfehle ich Hud (Regie: Martin Ritt), Breakfast at Tiffany’s (Regie: Blake Edwards), The Day the Earth Stood Still (Regie: Robert Wise) und The Subject Was Roses (Regie: Ulu Grosbard). 2009 kommt sie mit Flying Boy (Regie: Jim Amatulli) ins Kino. Sie ist inzwischen übrigens 82 Jahre alt.)
     Dahls Drehbuch ist in seiner Vielschichtigkeit einfach grandios. Die gewitzten Dialoge, die seine Kinderbücher so vergnüglich lesenswert machen, schlugen sich in seinen Drehbüchern geradezu genial nieder. Neben der Liebesgeschichte (Maura: “Billy, was ist mit Ihnen?” — Billy: “Das kann ich Ihnen nicht sagen, Sie sagen es dann weiter, das müssen Sie sogar.” — Maura: “Das werde ich nicht tun. Ich würde nie etwas tun, wodurch ich dich verlieren könnte.”) durchleuchtet das Drehbuch auch das englische Gesellschaftsleben und ein äusserst kompliziertes, krankes Mutter-Tochter-Verhältnis, das geprägt ist von “Schuld-und-Sühne”-Gedanken, Abhängigkeit, falscher Loyalität, Disrespekt und unterschwelligem Hass.

Nicholas Clay mordet

Und dann Nicholas Clay als Billy! Ja, natürlich, er war einer der schönsten Männer, die jemals das Licht der Leinwand erblickten, aber was für ein guter Schauspieler! Das darf man nicht übersehen. The Night Digger war sein erster Film, und er gestaltete seine komplexe Rolle mit einer erstaunlichen Reife und Vielschichtigkeit. Er war einer jener Schauspieler, die in der Hauptsache mit ihrem Körper sprechen. Wie Brando und Paul Newman übrigens auch. Lange Phasen des Films bestritt er allein, zum Beispiel die fast zehnminütige Mordsequenz in der Mitte des Films, die ohne jede Musik und ohne eine Zeile Dialog bestritten wird. Mit kleinen, subtilen Gesten und geschmeidigen, bedrohlich-erotischen Bewegungen gibt Clay seinem Billy die Präsenz und Kraft einer Naturgewalt. (Abgesehen davon, dass Billy eben nicht nur ein Mörder, sondern auch ein traumatisiertes Kind ist, das man schützen möchte, was allerdings Dahls schriftstellerischer Verdienst ist.)
     Pamela Brown als Mrs. Prince ist ebenfalls hervorragend. Tatsächlich ist The Night Digger bis in die kleinste Nebenrolle superb besetzt. Diese ganzen, typisch Dahl’schen Figuren mit all ihrer Schrägheit, latenter Bosheit und Heuchelei (wie hier beispielsweise der Pfarrer und seine Frau, der geschwätzige Mr. Bolton oder die ältliche Freundin von Mrs. Prince, die sich vornehmlich über Krankheiten und Geschlechtsumwandlungen unterhalten) tragen erheblich zur eigentümlich-skurillen Wirkung des Films bei, der bei aller Tragik auch eine schwarze Komödie ist.

Hervorzuheben ist neben Bernard Herrmanns alptraumhaft-schöner Musik, die stark und in bester Weise an seine Kompositionen für Vertigo (Regie: Alfred Hitchcock) und Marnie (Regie: Alfred Hitchcock) erinnert, vor allem die Art Direction von Anthony Pratt, der seine letzte Oscarnominierung 2004 für The Phantom of the Opera (Regie: Joel Schumacher) erhielt: Das verfallene Haus, das den deutschen Titel inspiriert haben dürfte, ist mit seiner riesigen Halle, den zahllosen Antiquitäten, tiefbraunen Vertäfelungen und zerbrochenen Fenstern, deren schwere Vorhänge wie Leichentücher wirken, ein bedrohlicher Klotz, der für eine unheimlich Grundstimmung sorgt. Dank Pratts detailversessener Ausstattung wird es zur Hauptfigur des Schreckens.

The Night Digger ist schwer aufzutreiben. Alle sieben, acht Jahre läuft er mal im Nachtprogramm der ARD oder Dritten Programme. Solltet Ihr in der Fernsehzeitung davon lesen, bleibt ruhig auf, es lohnt sich, diesen kleinen Schatz zu bergen und genau zu betrachten.

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